Die First Nations und ihre Nachfahren
In Alberta leben 43 der so genannten First Nations, Völker, die hier schon lebten, bevor die Europäer kamen. In drei vertraglich festgelegten Regionen pflegen sie auch heute noch ihre Kulturen und Gebräuche. Wandeln Sie auf ihren Pfaden. Erkunden Sie ihre 10.000-jährige Geschichte an den Originalschauplätzen und in Museen. Fahren Sie im Kanu die gleichen Flüsse wie sie, entziffern Sie die Bedeutung ihrer Felszeichnungen oder fertigen Sie im Tipi Ihre eigene Indianertrommel.
Die frühgeschichtlichen Völker
Head-Smashed-In Buffalo Jump zählt zum Welterbe der UNESCO. Dieser Abgrund, über den einst die Büffel getrieben wurden, um sie zu erlegen, ist der älteste und größte Buffalo Jump der Welt – älter noch als der Steinzirkel von Stonehenge in England und die Pyramiden in Gizeh. Sie finden ihn 18 Kilometer nordwestlich von Fort Macleod. Hervorragend hergerichtet, erlaubt der Head-Smashed-In Buffalo Jump einen faszinierenden Einblick in das vorgeschichtliche Leben der Blackfoot-Indianer.
Der Buffalo Jump war vor rund 6.000 Jahren für die Blackfoots die einzige Möglichkeit, ihre zahlreiche Bevölkerung mit Essen und Kleidung zu versorgen. Die Jagd dezimierte den Bestand der Bisons bedenklich, obwohl die Ureinwohner noch keine modernen Jagdwerkzeuge kannten. Nachdem sie die Tiere über die Felsen in den 10 bis 18 Meter tiefen Abgrund gejagt hatten, wurden die so getöteten Bisons ganz in der Nähe in einem Lager weiterverarbeitet. Dort befanden sich eine Kochstelle und ein Lagerplatz für das Fleisch. Nur wenige unbrauchbare Knochen blieben im Abgrund liegen. Für insgesamt 10 Millionen Dollar wurde am Head-Smashed-In Buffalo Jump ein Informationszentrum mit vielen interaktiven Ausstellungsstücken eingerichtet. Einige Veranstaltungen wie beispielsweise Einführung in den Tanz der Indianer, die Kunst des Trommelns oder archäologische Ausgrabungen sind besonders empfehlenswert.
Der Writing-on-Stone Provincial Park (Áísínai’pi) ist ein heiliger Platz der Blackfoot-Indianer. 32 Kilometer östlich der Ortschaft von Milk River gelegen, beherbergt der Park mehr Felsmalereien als jeder andere Platz in den nordamerikanischen Präriegebieten. Man schreibt die Kunstwerke im Allgemeinen den Blackfoot-Indianern zu, die hier vor rund 3.500 Jahren siedelten. Doch einige der Malereien schätzen Experten auf ein Alter von 6.000 Jahren. Entlang der Sandstein-Felsen des Milk River zieren verschiedene Motive die Landschaft: Jagdszenen und spirituelle Darstellungen finden sich gemalt oder in den Stein geritzt. Die meisten Arbeiten zeigen kriegerische Auseinandersetzungen. Experten glauben, dass sie als Warnungen zu verstehen waren. So wurde feindlich gesinnten Stämmen in der Nachbarschaft mitgeteilt, das gekennzeichnete Terrain nicht zu betreten. Regelmäßige Touren führen zwischen Mitte Mai und Anfang September durch das Gebiet – selbstverständlich gefahrlos.
Museen und Schauplätze der Geschichte
Der Blackfoot Crossing Historical Park ist das größte Freilichtmuseum im Besitz eines Stammes der First Nations. Vom Gipfel eines Hügels in den Badlands überblicken Besucher ein 24 Quadratkilometer großes Areal, das ihnen alles über das Leben der Blackfoot-Indianer verrät. Herzstück ist das 17 Millionen Euro teure Museum, in dessen Theater traditionelle und moderne Tänze aufgeführt werden. Allein die Ausstellungsstücke des fast 6.000 Quadratmeter großen Museums haben einen Wert von 2,1 Millionen Euro. Draußen erfahren die Besucher hautnah, wie die Blackfoot gelebt haben: Wenn Sie wollen, kosten Sie von den traditionellen Speisen dieses Stammes und übernachten im Tipi. Einige typische kunsthandwerkliche Erzeugnisse der Ureinwohner – wie etwa Skulpturen und Schmuck – können im Museumsladen erworben werden.
Der Blackfoot Crossing Historical Park ist nicht der einzige Platz in Alberta, der sich mit der vielfältigen Geschichte der Ureinwohner befasst. Zahllose Parks, Schauplätze, Kulturzentren und Museen, sogar Forts und Missionen erinnern an ihre Historie. Das Glenbow Museum in Calgary und das Royal Alberta Museum in Edmonton bieten in puncto Geschichte gute Einblicke. Ihre Sammlungen und Ausstellungen sind in der ganzen Welt bekannt. Vor allem die Blackfoot-Ausstellung des Glenbow Museums lüftet so manches Geheimnis um die Geschichte, die Traditionen und die Werte dieses Volkes, das die Prärien des nordwestlichen Teils Nordamerikas seit rund 4.000 Jahren besiedelt. Einen Vorgeschmack bietet die Webseite des Museums, die sich ausschließlich mit den Blackfoot-Indianern befasst. Die Abteilung für die First Nations des Royal Alberta Museums, Syncrude Gallery of Aboriginal Culture, zeigt hingegen eine der größten Ausstellungen zur Geschichte aller First Nations auf dem nordamerikanischen Kontinent. Sie umfasst 11.000 Jahre oder anders ausgedrückt: 500 Generationen. Regionalgeschichte vermittelt anschaulich der Fort Edmonton Park. Hier erfahren Sie, wie es 1846 im Lager der Ureinwohner und im Hudson´s Bay Fort zuging. Kostümierte Schauspieler lassen die vergangene Zeit lebendig werden. Sie lernen alles über die Métis, die Halbindianer, die in Edmontons Geschichte eine entscheidende Rolle spielten. Eine ähnliche Rolle für die Region des südlichen Alberta spielt der Cypress Hills Interprovincial Park. Er bietet viele kulturgeschichtliche Veranstaltungen. Ausgrabungen bestätigen die lange Geschichte dieser Region: Denn hier lebten die Menschen shon vor 8.000 Jahren.
Die Kultur der Völker hautnah erleben
Wenn Sie Kulturgeschichte zum Erleben suchen, dann ist Alberta Aboriginal Tourism Ihre erste und beste Anlaufstelle. Hier finden Sie alles: Geschichte zum Anfassen, Veranstaltungen zu speziellen Ereignissen und Top-Führungen. Erkunden Sie das traditionelle Stammesleben der Ureinwohner gemeinsam mit Führern und Stammesältesten. Buchen Sie einen Tagesaufenthalt oder gleich ein Camp für mehrere Tage, um die Natur der Ureinwohner zu erleben und in die Kultur dieser Völker einzutauchen. Bei einem Abstecher nach Calgary sollten Sie sich das jährliche internationale Native Arts Festival, also das Kunstfestival der Urvölker, nicht entgehen lassen. Sie finden es Downtown am Olympic Plaza und rund um die Stephens Avenue.
Bildungsurlaub der ganz besonderen Art verspricht der Veranstalter Creative Western Adventures. Entdecken Sie innerhalb von neun Tagen die Konföderation der Blackfoot-Indianer-Stämme und erleben Sie hautnah ihre Welt: ihre Geschichte und ihre Kultur. Leben Sie von Vorräten in der Wildnis, machen Sie mit beim Pow Wow, dem Tanz der amerikanischen Ureinwohner. Suchen Sie nach Beeren und – wenn Sie den Mut haben – auch nach Bären. Zu Pferde oder im Kanu. Ein Urlaub mit Creative Western Adventures bleibt unvergessen. Ein ausgedehnter Besuch lohnt auch bei Buffalo Spirit Aboriginal Experiences. Nur eine Autostunde von Edmonton im Elk Island National Park lockt die Organisation mit einem Lern- und Erlebnis-Programm für die ganze Familie. Der Park ist eine wahre Schatzkiste für historisch Interessierte. Denn hier finden sich mehr als 200 vorgeschichtliche Lager- und Werkstätten. Ein wenig weiter entfernt liegt das Kak Ki Yaw Cultural Camp. Sie finden es nach zweieinhalbstündiger Fahrt nordöstlich von Edmonton in der Nähe des Städtchens Lac La Biche, wo Sie auch im Winter fachkundig durch das Gelände geführt werden. Sie werden selbst aktiv, indem Sie Fallen stellen, reiten und Kanu fahren. Sogar an einer Sweat Lodge Ceremony nehmen Sie teil. Nach dem Glauben der Ureinwohner gelangen Sie hierbei durch Schwitzen am offenen Feuer zu spiritueller Reinheit. Tage im Kak Ki Yaw Cultural Camp klingen meist mit den aufregenden Erzählungen des Trappers Walter Quinn aus.
Die Spuren der Menschheit am Métis Crossing reichen bis 6.000 Jahre in die Vergangenheit zurück. Damals diente dieses Areal als Lagerplatz, später entwickelte sich Métis Crossing zum Umschlagplatz der Pelzhändler des nördlichen Saskatchewan River. Das Besuchergelände am Smokey Lake nordöstlich von Edmonton ist noch recht neu. Bislang ist die erste von drei Bau- und Erschließungsphasen abgeschlossen. Doch ein Besuch lohnt schon jetzt. Hier wird die Geschichte der Métis am Originalschauplatz erzählt. Ganz ähnliches Treiben herrscht bei „History in the Hills“, das vom Miywasin Center in Medicine Hat unterstützt wird. History in the Hills findet immer im Juni statt und dauert vier Tage. Es bietet für jede Alterklasse etwas. Die Kinder spielen die Spiele der Ureinwohner. Sie hingegen lernen, Bannock, das typische sFladenbrot, zu backen, und Felle zu gerben. Austoben können sich alle beim Tanz und beim ein- oder viertägigen Kanu-Trip auf dem Saskatchewan River. Besinnlich geht es indes zu, wenn die ganze Familie den spannenden Geschichten aus den Tagen des Pelzhandels lauscht.
Der 21. Juni – Feiertag der Urbevölkerung
Überall in Alberta begeht man am 21. Juni den Feiertag der Ureinwohner. So würdigt man den Beitrag der First Nations, der Métis und der Inuit zur heutigen kanadischen Kultur. Beim Head-Smashed-In Buffalo Jump etwa erwartet Sie an diesem Tag ein besonderes Programm, das zugleich lehrreich und unterhaltsam ist. Was der 21. Juni noch so alles zu bieten hat, das erfahren Sie hier mit einem Klick.
Weitere Infos
Alberta hat noch mehr Wissenswertes rund um die Indianer und die Urbevölkerung zu bieten. Um alle Attraktionen und Veranstaltungen kennen zu lernen, klicken Sie auf „Erweiterte Suche“ unter dem Eingabefeld „Suche“ oben rechts auf dieser Seite. Klicken Sie im zweiten Schritt auf „Kategorie“, dann auf „Sehenswertes“ und wählen Sie First Nations/Urbevölkerung
Auch hier lohnt ein Besuch
- Aboriginal Events Information – der Veranstaltungskalender für alles, was mit der Urbevölkerung zu tun hat.
- Buffalo Nations Luxton Museum – ein Fort, das sich ganz der Geschichte der First Nations widmet.
- First Nations of Alberta – die Anschriften der 44 First Nations in Alberta.
- Fort Whoop-Up Interpretive Centre (Lethbridge) - einst ein gefährlicher Umschlagplatz des Pelzhandels, heute ein lehrreiches Museum.
- Galt Museum & Archives (Lethbridge) – modernes Museum für die Geschichte Südwest-Albertas.
- Indian Battle Park (Lethbridge) – Stadtpark, dessen Name an eine der letzten großen Auseinandersetzungen der Ureinwohner untereinander erinnert.
- Jasper-Yellowhead Museum – folgen Sie der 10.000-jährigen Menschheitsgeschichte im Jasper National Park.
- Rocky Mountain House National Historic Site – „wo Geschichte Spaß macht”, so die Eigenwerbung des Forts, das einst ein bedeutender Pelzumschlagplatz war.
- Saamis Archaeological Site (Medicine Hat) – ein Wanderweg vorbei am historischen Tipi durch eine reizvolle Landschaft.
- Siksika Nation - Website des gleichnamigen First Nation Stammes.
- The Peoples of Fort Chipewyan – die älteste europäische Siedlung war einst Platz der Chipewyan-Indianer.
