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Travel Alberta

Theater & Tanz

Open-Air und überdacht, aufwändig oder bescheiden: Die Tanz- und Theateraufführungen sind so vielfältig wie Alberta selbst. Nicht immer nehmen Theaterfreunde daher im Polstersessel eines renommierten Spielhauses Platz. Manchmal genügt eine spartanische Scheune. 





Theater & Tanz in Calgary

Von Volkstanz bis Ballett, von Ein-Mann-Show bis Monumentalstück

Das Alberta Ballet, aus Calgary erfreut sich eines exzellenten Rufs. Es wird überall für seine hervorragenden Aufführungen gerühmt.

Was allerdings die wenigsten wissen: Im Schatten des drittgrößten Ensembles des Landes hat sich die Stadt immer mehr zu einem Zentrum für ethnischen und modernen Tanz sowie für Jazztanz entwickelt.

Zu den traditionsreichsten und zugleich erfolgreichsten Dance-Companies zählt die Truppe Decidedly Jazz  Danceworks. Sie hat sich ganz der Jazzgeschichte verschrieben und tourt mit ihrem Programm regelmäßig durch Kanada und um die ganze Welt. In Calgary ist sie unter anderem im Epcor Center für darstellende Künste und im Grand Theatre zu bewundern, dem lokalen Zentrum für Tanz.

Im Epcor Center ist auch Springboard Dance zu Hause. Das moderne Ensemble probt dort in keinem festen Studio, sondern schöpft die vielfältigen räumlichen Möglichkeiten des Centers aus. Im eigenen Studio indes tritt das Ensemble Dancers’ Studio West auf. Ihr kleines Theater im Center bietet nur 75 Zuschauern Platz, was leider nicht immer ausreicht. Die Truppe weicht dann meist ins Grand and Vertigo-Theater aus.

All jene Calgary-Besucher, die einem Ballett-Abend oder dem modernen Tanz nicht viel abgewinnen können, sollten bei der Blue Collar Dance Company auf ihre Kosten kommen. Im Community Arts Building, das in den ehemaligen Currie Barracks untergebracht ist, steht Tanz „vom Volk für das Volk“ auf dem Programm. Das Ensemble garantiert eine dynamische Performance, die auch den skeptischsten Besucher überzeugt.

Um das kulturelle Angebot in puncto Tanz abzurunden, bietet Calgary mittlerweile immer mehr ethnische Tanz-Events. Aus der Ukraine stammen gleich zwei Kompanien: das Suzirya Ukrainian Dance Theatre und das Tryzub Ukrainian Dance Ensemble. Ganz andere Teile der Welt hingegen repräsentieren die Sommer-Festivals Carifest, Afrikadey und Expo Latino , bei denen dann auch Straßentanz im Sonnenschein angesagt ist.

Kulturhochburg Calgary: die Theater Szene

Im Epcor Centre for the Performing Arts wird nicht nur getanzt: Das Zentrum für darstellende Künste ist der kreative Mittelpunkt in Downtown Calgary und eines von zwei ganz großen Häusern der Stadt. Das ganze Jahr über bietet es auf fünf Bühnen Platz für jegliche Art von Theater-Aufführung – von der Ein-Mann-Show bis hin zum Massenspektakel, von Vortragslyrik bis zur Performance. Gleich vier Ensembles erfüllen das Haus mit Leben: das Theatre Calgary, die Alberta Theatre Projects (ATP), und die Gruppen One Yellow Rabbit (OYR) und Bubonic Tourist. Ein Blick in den Spielplan des Centers oder in den der einzelnen Ensembles lohnt immer. Besonders im Januar. Dann nämlich steigt OYR’s High Performance Rodeo ein internationales Theater- und Musik-Festival, das nun schon zum 25ten Mal Fans aus aller Welt anzieht. Auf das Neue Kanadische Theater indes konzentriert sich unmittelbar im Anschluss daran das Enbridge playRites Festival of New Canadian Plays. So stehen die ersten acht Wochen des Jahres in Calgary ganz im Zeichen des Theaters. Neben dem Epcor Center steht dabei auch das Jubilee Auditorium im Mittelpunkt. Renommierte Gastensembles sowie das Alberta Ballett und die Oper finden hier beste Bedingungen.

Wer kleinere Aufführungssäle bevorzugt, wird an den derzeit aufblühenden Amateur-Ensembles Gefallen finden. Zwei von ihnen, Pumphouse Theatre und Theatre Junction , spielen regelmäßig im erst kürzlich renovierten Grand Theatre. Spielhäuser mit Renommee sind auch der Calgary Tower, wo das Vertigo Playhouse Theatre untergebracht ist, und die Hallen des Crossroads Market. Dort hat die Gruppe Loose Moose Theatre ihre Heimat gefunden. Theater der etwas anderen Art pflegt die Gruppe Pegasus Performances. Schon seit 15 Jahren findet ihr Publikum Abend für Abend heraus, wem das Ensemble die Rolle des Mörders zugeschoben hat. Den Ort für ihre interaktiven Kriminalspiele hat die Truppe gut gewählt: Das Deane House, Restaurant im geschichtsträchtigen Fort Calgary bietet beim köstlichen Dinner genau die richtige Atmosphäre, um Mördern auf die Schliche zu kommen. Also kein Rätsel, warum dieses Ensemble länger existiert als alle anderen dieser Art in Calgary. Noch länger, seit 20 Jahren, spielt indes das Mount Royal College Conservatory’s Ensemble sein Shakespeare in the Park. Die Vorstellungen unter freiem Himmel haben auf Prince´s Island inzwischen mehr als eine halbe Million Theaterfans mitverfolgt. Eine Eintrittskarte hat dafür niemand gelöst. Denn Shakespeare in the Park wird gegen eine Spende aufgeführt. Die Zuschauer sitzen auf Decken und picknicken gemütlich, während Macbeth den bemitleidenswerten Duncan in der Sommersonne meuchelt. So blutrünstig geht es beim zweiten theaterlichen Großevent im Sommer nicht zu. Zum expressiven Fringe Festival reisen Ensembles aus Nordamerika und England an.

Konventioneller geht es in Calgary beim Kindertheater zu. Den gesamten Sommer hindurch wird der Olympic Plaza in der Mittagszeit zur Kinderbühne. Dort führt das Hochschultheater seine Stücke auf. Ein eigenes Haus hingegen bespielt das quirlige W.P. Puppet Theatre, und auch bei einem Besuch im Calgary Young People's Theatre bleibt kein Kinderauge trocken. Erwachsene lachen eher beim Funnyfest. Das erfolgreiche, einwöchige Comedy-Festival im Mai geht nun schon ins siebte Jahr. So füllt es die letzte Lücke in einer Theaterszene, die sich auch mit deutlich größeren Metropolen messen kann.

  • All Nations (sozialkritisches Theater)
  • Ghost River (das einzige Theater in Calgary, das ausschließlich bislang ungespielte Stücke auf die Bühne bringt)
  • Ground Zero (Ground Zero versteht sich selbst als Theater für „ernste Unterhaltung“)
  • Lunch Box (Ein-Mann-Shows für die Mittagspause. Beginn 12.10 Uhr)
  • Old Trout Puppet Workshop (Puppenspiele für Erwachsene)
  • Sage (Selbstdarstellung: „Aufrüttelndes Theater“)
  • Storybook (Kindertheater mit Theaterschule)

Edmonton – nicht nur auf dem Eis wird getanzt

Mit Edmonton verbinden viele nur den Eishockeyclub Edmonton Oilers. Doch in der Stadt sorgen nicht nur raubeinige Eishockey-Champions für Begeisterung. Auch bei den darstellenden Künsten gibt sich Edmonton meisterlich.

Aushängeschild der Tanz-Szene in Edmonton ist die Brian Web Dance Company. Dieses Ensemble ist überaus aktiv und überall in der Stadt zuhause. Getanzt wird im John L. Haar Theatre , im Grant MacEwan College, im Westbury Theatre und im Jubilee. Dort hat auch das zweite große Ensemble der Stadt seinen Stammsitz: die populäre Edmonton Dance Factory . Irgendwie außerirdisch gibt sich ein Ensemble mit festem Sitz am UFO-Landing Pad, der Adresse nach eine Landestelle für UFOs. Hier hat Mile Zero ein Zuhause gefunden. Die Gruppe verschreibt sich dem zeitgenössischen Ausdruckstanz.

Bodenständiger geht es beim Pysanka Festival im Ukrainian Cultural Heritage Village, im Osten von Edmonton zu. Hier werden die multikulturellen Wurzeln von Alberta sichtbar. Das gilt auch für das dreitägige Festival im Hawrelak Park, wo traditionelle Tänze aus aller Welt beim Edmonton Heritage Festival, ihr Publikum finden. Das Festival zählt inzwischen zu den bedeutendsten Tanz-Events überhaupt.

Vorhang auf: Edmontons Theater können sich sehen lassen

Das Herz der Theater-Szene in Edmonton schlägt im Arts District. Dieses kleine aber überaus produktive Viertel liegt rund um den Churchill Square. Sein Prunkstück ist das Citadel Theatre, ein mächtiger Gebäude-Komplex mit fünf Bühnen. Meist werden dort populäre Stücke gegeben. Eine Kindertheater-Reihe und ein Festival von Teenangern für Teenager passen gut ins Bild. Das zweite große und professionelle Spielhaus in Edmonton, das unmittelbar am Flughafen gelegene Northern Light Theatre bietet Moderneres: Uraufführungen sind hier keine Seltenheit.

Wie Calgary blickt Edmonton alljährlich auf sein Fringe Festival. Auch hier dauert es mehrere Tage im August und ist auf verschiedene Theater verteilt. Inzwischen hat es einige der innovativsten Aufführungen der letzten Jahre hervorgebracht und sich so internationale Anerkennung verdient. Neben Edmonton und Calgary feiern nun auch viele andere Städte ihr Fringe Festival.

Und noch eine Gemeinsamkeit zwischen Edmonton und Calgary: die Jubilee Auditorien. Zum einen ähneln sie sich in der Bauart, zum anderen in ihrer Funktion: Beide Auditorien dienen auswärtigen Ensembles als Aufführungsstätten. Das Alberta Ballett und das Royal Winnipeg Ballet waren bereits zu Gast. Beide Ensembles lobten die jüngste Renovierung, nach der das Jubilee Auditorium nun opernwürdig erscheint. Die Edmonton Opera führt hier jetzt regelmäßig auf. Das wäre in zwei anderen Häusern undenkbar, die – wenngleich nicht für die Oper geeignet – ihren eigenen Charme versprühen. Beide wurden ursprünglich als Feuerwache des Stadtteils Old Strathcona genutzt: Im Walterdale Playhouse residiert jetzt Kanadas älteste Laienspielgruppe und auf der gegenüberliegenden Straßenseite findet man das Varscona Theatre. Hier befand sich einst die Keimzelle des Fringe Festivals. Heute bespielen die Bühne gleich eine ganze Reihe von Gruppen: das Die-Nasty Theatre, Teatro La Quindicina, Rapid Fire Theatre und schließlich das Shadow Theatre.

Der Treffpunkt der lokalen Theater-Szene Edmontons liegt ein wenig abseits der meisten anderen Bühnen. In der 124ten Straße treffen sich die Albertaner im Theatre Network, das sich 1975 ursprünglich eher als Kooperative zusammenschloss. Heute produziert die lokale Szene hier Stücke vornehmlich nach dem Motto „von Albertanern für Albertaner". Die Bühne steht vielen Ensembles offen: etwa den Brass Monkey Productions, dem Theatre Buffet Co-op und dem Kill Your Television Theatre.

Jedes Jahr im Mai zieht es Edmontons Kinder in den Nordwesten der Stadt. Im Arden Theatre im Stadtteil St. Albert steigt dann das Northern Alberta International Children’s Festival. Doch das ist nur die eine Seite dieses vielseitigen Theaters. Für die restliche Zeit des Jahres steht die dortige Bühne tourenden Ensembles jeglicher Couleur zur Verfügung. Gut möglich, dass sich dort auch die Free Will Players einquartieren würden, doch sie bevorzugen für ihr River City Shakespeare Festival schon seit langem das Amphitheater im Hawrelak Park. Mit seinen 1.100 Plätzen ist es das größte Haus in Edmonton, doch die Eintrittspreise bleiben traditionell klein. Am Niveau der Schauspieler liegt das nicht. Sie sind Profis. Um den Nachwuchs für das klassische Theater zu fördern, veranstalten sie Workshops für Jugendliche. Wer das „Camp Shakespeare“ durchläuft, der steht am Ende selbst auf der großen Bühne und lernt in wenigen Minuten, wie hoch Lampenfieber steigen kann.

Weitere Ensembles in Edmonton, die einen Besuch lohnen: 

  • Catalyst Theatre (für seine aufwändigen Produktionen bekannt)
  • Concrete Theatre (bezeichnet sich selbst als Theater für junge Leute)
  • Sound and Fury Theatre
  • Westbury Theatre.

Hochklassiges auf dem platten Land

Theater und Tanz abseits der beiden Metropolen

Hochklassige Theater- und Tanzaufführungen sind nicht zwangsläufig Sache der großen Städte. Das beweist Banff, wo den ganzen Sommer hindurch das internationale Arts Festival Besucher in seinen Bann zieht. Vor allem Ballet sowie moderner Tanz und Jazztanz werden hier geboten. Ein Muss ist dabei freilich die Aufführung von historischen Tänzen der First Nations. Sie beeindrucken nicht nur durch die äußerst schwierigen Schrittfolgen. Schon der Anblick der liebevoll gestalteten Kostüme ist das Eintrittsgeld wert. Ein Ohren- und Augenschmaus, den man vielerorts in Alberta erleben kann.

Ernster geht es bei den Passionsspielen in den Badlands zu. The Canadian Badlands Passions Play wurde vom Tourismusverband Attractions Canada als Top-Kulturereignis eingestuft. Auch die American Bus Association,, die die Interessen des Reisebustourismus vertritt, nahm das Event in seine Top-100-Liste für ganz Nordamerika auf. Wer ein Ticket ergattern will, muss früh aufstehen. Alle sechs Aufführungen des Jahres sind schnell ausgebucht, obwohl das Naturamphitheater in Drumheller 2.500 Zuschauern Platz bietet. Die Beliebtheit der Passionsspiele mag am Aufführungsort liegen. Die Szenerie in den kargen Badlands ist gut gewählt. Kaum ein Platz, der mehr an den Leidenshügel Golgotha erinnert, als dieser Aufführungsort aus Sand und Stein.

Das Rosebud Theatre liegt nur eine Autostunde nordöstlich von Calgary entfernt. Eine Stunde, die sich lohnt, denn im malerischen Örtchen Rosebud wird seit 25 Jahren Theater auf sehr hohem Niveau geboten. Gespielt wird in der so genannten Rosebud Opera, die eigentlich ein typisch albertanisches Holzhaus ist. Im Jahr 2006 wurde das Rosebud Theatre für seine vorzügliche Arbeit von Travel Alberta mit dem Preis „Alberta´s Pride“ (Albertas Stolz) ausgezeichnet. Der Ansturm von 35.000 Gästen pro Saison, die hier von März bis Dezember dauert, unterstreicht die Bedeutung des Theaters. Doch nicht jeder, der den Ausflug nach Rosebud unternimmt – die so genannte „Rosebud Experience“ – ist ein Theater-Fan. Das Örtchen lockt auch mit feinen Restaurants, einigen Galerien sowie mit Museen und Einkaufsmöglichkeiten.

Country-Romantik und Spaß pur verspricht ein Wochenendausflug zum Great Canadian Barn Dance in Hillspring, rund 200 Kilometer südlich von Calgary. Hier werden Feste in Cowboy-Manier gefeiert. Im Barn, einer riesigen Scheune, spielt eine Country-Band live, und wer mag, kann zu den Klängen von Steel-Guitar und Fiedel Tanzstunden in Sachen Country-Dance nehmen. Gefeiert wird bis tief in Nacht. Wem das irgendwann zu anstrengend wird, der fällt einfach ins Bett – es stehen vielfältige Unterkunftsmöglichkeiten bereit.

Weitere Tanz- und Theaterensembles aus Alberta:

Weitere Infos:

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